Bewegungsbad

Auch: Übungsbehandlung im Bewegungsbad, Therapiebecken, Bewegungstherapie im Wasser

Ein Bewegungsbad ist ein temperiertes Therapiebecken oder eine Schmetterlingswanne für Übungen im Wasser. Die Heilmittel-Richtlinie führt die Übungsbehandlung im Bewegungsbad als eigenes Heilmittel, das Wärme, Auftrieb und Reibungswiderstand des Wassers nutzt.

Bewegungsbad heißt sowohl das warme Becken, in dem im Wasser geübt wird, als auch die Behandlung darin. Die Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL, zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025) führt sie in § 19 Abs. 3 Nr. 1 Buchstabe b als „Übungsbehandlung im Bewegungsbad“: eine Übungsbehandlung „unter Ausnutzung der Wärmewirkung des temperierten Wassers, des Auftriebes und des Reibungswiderstandes des Wassers mit und ohne Auftriebskörper“. Sie kann als Einzel- oder Gruppenbehandlung verordnet werden. Im Beruf Masseur und medizinischer Bademeister treffen hier zwei Ausbildungsfächer zusammen: Übungsbehandlung und Hydrotherapie.

Physik im Bewegungsbad: Auftrieb, Widerstand, Druck und Wärme

Die Richtlinie nennt drei Eigenschaften des Wassers. Die Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Lesefassung gültig ab 01.12.2024) führt unter der Position X0305 zusätzlich hydrostatische Wirkungen auf. Zusammen ergeben sich vier Größen, die die Bedingungen einer Übung verändern:

  • Auftrieb: Nach dem archimedischen Prinzip ist die Auftriebskraft so groß wie die Gewichtskraft des verdrängten Wassers. Je tiefer der Körper eintaucht, desto mehr Gewicht trägt das Wasser. Auftriebskörper, die die Richtlinie ausdrücklich nennt, vergrößern die Auftriebskraft an einem Körperteil.
  • Reibungswiderstand: Wasser bremst jede Bewegung. Wie stark, hängt von Tempo, Fläche und Form des bewegten Körperteils ab. Langsame Bewegungen treffen auf wenig Widerstand, schnelle auf mehr.
  • Hydrostatischer Druck: Er wirkt in einer bestimmten Tiefe von allen Seiten gleich und wächst mit der Eintauchtiefe.
  • Wärme: Das Wasser ist temperiert. Für die Krankengymnastik im Bewegungsbad nennt die Leistungsbeschreibung 28 bis 36 °C; bei der Übungsbehandlung spricht sie von warmem Wasser und führt thermische Wirkungen auf.
Vier Größen im WasserVier Größen im WasserWas die Übung im Bewegungsbad verändertAuftriebträgt Gewichtmehr bei TiefeWiderstandbremstmehr bei TempoDruckvon allen Seitenmehr bei TiefeWärmetemperiertKG:28 bis 36 °CTherapiebecken nach Anlage 5Wasserfläche:mind. 12 m²Tiefe:höchstens 1,35 m
Abb.: Physikalische Größen der Übungsbehandlung im Bewegungsbad und Vorgaben für das Therapiebecken. Quelle: § 19 Abs. 3 HeilM-RL (G-BA), Leistungsbeschreibung (Lesefassung gültig ab 01.12.2024) und Anlage 5 (Fassung vom 21.07.2021) zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V, Stand Oktober 2026.

Das Schaubild zeigt vier physikalische Größen im Bewegungsbad: Auftrieb trägt Körpergewicht und wächst mit der Eintauchtiefe, Reibungswiderstand bremst Bewegungen und wächst mit dem Tempo, hydrostatischer Druck wirkt von allen Seiten und steigt mit der Tiefe, Wärme kommt aus dem temperierten Wasser, bei der Krankengymnastik im Bewegungsbad 28 bis 36 Grad. Darunter stehen die Vorgaben für das Therapiebecken nach Anlage 5: mindestens 12 Quadratmeter Wasserfläche, höchstens 1,35 Meter tief.

Bewegungsbad in der Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister

Wörtlich nennt die MB-APrV das Bewegungsbad nicht (Anlage 1, Stand Oktober 2026). Der Stoff verteilt sich auf mehrere Fächer: die Übungsbehandlung (Nr. 17, 150 Stunden) mit dem Unterpunkt „Übungsbehandlung in Verbindung mit anderen physikalisch-therapeutischen Verfahren“ (17.5), die Hydro-, Balneo-, Thermo- und Inhalationstherapie (Nr. 19, 150 Stunden) mit ihren physikalischen und physiologischen Grundlagen (19.1), Angewandte Physik und Biomechanik (Nr. 8, 20 Stunden) und die Wasserhygiene im Fach Hygiene (Nr. 6.6). Geprüft wird praktisch: Übungsbehandlung und Hydrotherapie bilden mit der Elektro-, Licht- und Strahlentherapie die Fächergruppe 2 des praktischen Teils. Je Fach soll die Prüfung dort 20 Minuten nicht überschreiten (§ 7 Abs. 1 MB-APrV). In der praktischen Ausbildung sind beide eigene Bereiche (Anlage 1 Teil B Nr. 4 und 6).

Becken, Hygiene und Verordnung im Berufsalltag

Räume und Ausstattung regelt Anlage 5 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Zulassungsvoraussetzungen, Fassung vom 21.07.2021, Stand Oktober 2026). Übungsbehandlungen im Wasser führt sie unter der Zusatzausstattung (Abschnitt 4.2). Verlangt wird eine Schmetterlingswanne für Einzelbehandlungen und/oder ein Therapiebecken für Einzel- und Gruppenbehandlung mit mindestens 12 m² Wasseroberfläche, mindestens 3 m kleinster Seitenlänge und höchstens 1,35 m Wassertiefe. Dazu kommen Haltestangen, eine trittsichere Einstiegstreppe, bei Bedarf eine Hebevorrichtung und eine Dusche.

Für das Wasser gilt das Infektionsschutzgesetz. Nach § 37 Abs. 2 IfSG (Stand Oktober 2026) muss Wasser in Becken von Einrichtungen, die nicht ausschließlich privat genutzt werden, so beschaffen sein, dass keine Schädigung der Gesundheit durch Krankheitserreger zu besorgen ist. Die Aufbereitung muss eine Desinfektion einschließen, Becken und Aufbereitungsanlagen überwacht das Gesundheitsamt.

Der Heilmittelkatalog sieht die Übungsbehandlung im Bewegungsbad, einzeln oder in der Gruppe, in drei Diagnosegruppen als vorrangiges Heilmittel vor: WS für die Wirbelsäule, EX für Extremitäten und Becken sowie CS für chronifizierte Schmerzsyndrome. Bei Lymphabflussstörungen (LY) darf sie ergänzend hinzukommen. Die Leistungsbeschreibung rechnet die erforderliche Nachruhe zur Leistung und nennt dafür 20 bis 25 Minuten als Richtwert. Für die Arbeit im Wasser beachten Masseurinnen und Masseure zudem die Gegenanzeigen, die der Lehrgang in den Fächern 17 und 19 behandelt.

Abgrenzung: Krankengymnastik im Bewegungsbad und Reha

Neben der Übungsbehandlung kennt die Richtlinie die Krankengymnastik im Bewegungsbad (§ 19 Abs. 3 Nr. 3 Buchstabe b), einzeln oder in Gruppen mit höchstens fünf Patientinnen oder Patienten. In der Rehabilitation der Rentenversicherung führt die Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL 2025, Stand Juli 2026, maßgeblich für Entlassungen ab 01.01.2027) die physiotherapeutische Behandlung im Bewegungsbad unter B021 und nennt dafür Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten als Berufsgruppe. Masseure und medizinische Bademeister führt sie im Kapitel Physikalische Therapie, etwa bei medizinischen Bädern und der Unterwasserdruckstrahlmassage.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Glossar Massage und Physikalische Therapie