Bindegewebsmassage (BGM)

Auch: BGM, Bindegewebsmassage nach Dicke

Die Bindegewebsmassage ist eine reflektorische Massageform, die mit Zugreizen in Haut und Unterhaut arbeitet. Sie ist Heilmittel nach § 18 der Heilmittel-Richtlinie; in der Masseurausbildung gehört sie inhaltlich zum Fach Reflexzonentherapie.

Die Bindegewebsmassage (BGM) ist eine Massageform aus der Reflexzonentherapie, bei der die Finger in einer Strich- und Zugtechnik durch Haut und Unterhaut geführt werden. Für Auszubildende zum Masseur und medizinischen Bademeister ist die Bindegewebsmassage zweierlei: Prüfungsstoff im Fach Reflexzonentherapie und später eine eigene Position der Massagetherapie, die nach ärztlicher Verordnung abgegeben wird.

Herkunft und Strichtechnik

Die Methode geht auf die Krankengymnastin Elisabeth Dicke zurück; Fachliteratur spricht deshalb von der Bindegewebsmassage nach Dicke. Gemeinsam mit Hede Teirich-Leube veröffentlichte sie das Buch „Massage reflektorischer Zonen im Bindegewebe bei rheumatischen und inneren Erkrankungen“, das 1948 in dritter Auflage bei Gustav Fischer in Jena erschien.

Gearbeitet wird mit kurzen, anhakenden Zugreizen: Die Fingerkuppen werden strichförmig durch das Gewebe gezogen. Fachdarstellungen ordnen die Striche nach der Arbeitstiefe, meist als Haut-, Unterhaut- und Faszientechnik; Einteilung und Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Lehrbuch.

Kennzeichnend ist außerdem ein fester Behandlungsaufbau. Übereinstimmend beschreiben Fachdarstellungen, dass eine Behandlung mit dem sogenannten kleinen Aufbau am unteren Rücken im Bereich von Kreuzbein und Becken beginnt. Der große Aufbau bezieht anschließend den übrigen Rücken ein. Die Einzelheiten der Strichfolgen beschreiben Lehrbücher unterschiedlich; verbindliche Vorgaben dazu enthalten weder die MB-APrV noch die Heilmittel-Richtlinie.

Aufbau der BindegewebsmassageAufbau derBindegewebsmassageÜbliche Reihenfolge, Rückenansicht12Großer Aufbaudanach derübrige RückenKleiner Aufbauunterer Rücken,Kreuzbein: zuerstZonenbezug ist ein ModellAnnahme:Hautzone und Organteilen ein Rückenmarkssegment
Abb.: Übliche Behandlungsfolge der Bindegewebsmassage vom kleinen Aufbau am unteren Rücken zum großen Aufbau, der Organbezug der Zonen gilt als Modell der Methode. Quelle: Fachdarstellungen zur Methode nach Dicke, § 18 HeilM-RL, Stand Oktober 2026.

Das Schaubild zeigt einen Rumpf von hinten. Nach Fachdarstellungen beginnt die Behandlung mit dem kleinen Aufbau am unteren Rücken im Bereich des Kreuzbeins, danach bezieht der große Aufbau den übrigen Rücken ein. Darunter steht, dass der Bezug der Zonen zu Organen ein Modell ist: Die Methode nimmt an, dass Hautzone und Organ ein Rückenmarkssegment teilen.

Bindegewebszonen als Erklärungsmodell

Hinter der BGM steht ein Zonenmodell. Es geht davon aus, dass sich Störungen innerer Organe in Reflexzonen von Haut, Bindegewebe und Muskulatur abbilden und dass Zone und Organ über ein gemeinsames Rückenmarkssegment verknüpft sind. Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (HeilM-RL, zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025) greift diesen Gedanken auf: § 18 Abs. 2 fasst die BGM mit Segmentmassage, Periost- und Colonmassage zu einer Gruppe zusammen. Nach dem Wortlaut der Richtlinie zielen diese Techniken „über nervös reflektorische Wege“ auf innere Organe und periphere Durchblutungsstörungen, vermittelt über „segmentale Regulationsmechanismen“.

Die Leistungsbeschreibung zum Physiotherapievertrag definiert die BGM als „Massagetechnik zur Diagnostik und Behandlung von krankhaft veränderten Bindegewebszonen“. Die Zuordnung einer Hautzone zu einem bestimmten Organ bleibt dabei eine Modellannahme der Methode und ist kein im Einzelfall nachgewiesener Zusammenhang. Ein verwandtes Modell sind die Head-Zonen.

Bindegewebsmassage in der Ausbildung

Wörtlich nennt Anlage 1 der MB-APrV die Bindegewebsmassage nicht (Stand Oktober 2026). Inhaltlich fällt sie unter Fach 15 Reflexzonentherapie mit 150 Stunden, dessen Unterpunkt 15.2 die Entstehung von Reflexzonen in Haut, Bindegewebe und Muskulatur behandelt. Weitere Unterpunkte sind Techniken (15.1), der Sicht- und Tastbefund (15.3), die Verbindung mit anderen physikalisch-therapeutischen Verfahren (15.4), Indikationen und Kontraindikationen (15.5) sowie Dauer, Intervalle und Intensität der Behandlung (15.6).

Prüfungsrelevant ist das Fach doppelt. Schriftlich gehört die Reflexzonentherapie zur Fächergruppe 2, deren Aufsichtsarbeit 180 Minuten dauert (§ 5 MB-APrV). Praktisch zählt sie zur Fächergruppe 1: Prüflinge arbeiten fallbezogen am Patienten oder Probanden, begründen ihr Vorgehen und sollen je Fach nicht länger als 20 Minuten brauchen (§ 7). Auch in der praktischen Ausbildung von mindestens 800 Stunden ist die Reflexzonentherapie ein eigener Bereich (Anlage 1 Teil B).

Heilmittelposition BGM

In der vertragsärztlichen Versorgung ist die BGM eine Maßnahme der Massagetherapie nach § 18 Abs. 2 Nr. 2 HeilM-RL. Für die Abgabe sind vier Eckdaten wichtig:

  • Abrechnungsposition X0107 mit einer Regelbehandlungszeit von 20 bis 30 Minuten als Richtwert (Leistungsbeschreibung Physiotherapie, Lesefassung gültig ab 01.12.2024)
  • vorrangiges Heilmittel im Heilmittelkatalog in den Diagnosegruppen WS (Wirbelsäule), EX (Extremitäten und Becken), CS (chronifiziertes Schmerzsyndrom), AT (Atmung) und SO1 (Dickdarmfunktion), ergänzendes Heilmittel in SO4 und SO5
  • höchstens 12 Einheiten Massagetherapie je Verordnungsfall, soweit der Katalog nichts anderes bestimmt (§ 12 Abs. 6 HeilM-RL); in den Diagnosegruppen AT, SO1, SO4 und SO5 gilt diese Grenze laut Katalog nicht
  • kein Sternchen in § 18: Eine zusätzliche Weiterbildung verlangt die Richtlinie nur für Maßnahmen, die sie so kennzeichnet (§ 17 Abs. 2), in § 18 etwa die Manuelle Lymphdrainage; die Qualifikation für die BGM stammt aus der Berufsausbildung

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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