Effleurage (Streichung)

Auch: Streichung, Streichungen

Effleurage ist die Streichung, ein Grundgriff der klassischen Massagetherapie, bei dem die Hände flächig über die Haut gleiten. Sie leitet eine Behandlung ein, verbindet die übrigen Griffe und schließt sie ab.

Effleurage ist die Fachbezeichnung für die Streichung, einen der Grundgriffe der klassischen Massagetherapie. Die Hände gleiten dabei flächig über die Haut. Das Wort stammt aus dem Französischen (effleurer); das eingedeutschte Verb effleurieren bedeutet laut Duden „leicht an bzw. auf der Oberfläche berühren“. In der Behandlung steht die Streichung am Anfang, zwischen den übrigen Griffen und am Ende.

Formen der Streichung

In der Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Lesefassung gültig ab 01.12.2024, Stand Oktober 2026) eröffnen die Streichungen die Reihe der Massagegrundgriffe der klassischen Massagetherapie. Fachbücher setzen die französischen Fachwörter daneben: Effleurage für die Streichung, Petrissage für die Knetung, Tapotement für die Klopfung. Den Vergleich aller Grundgriffe zeigt der Eintrag Massagegriffe.

Ein Lehrbuch unterteilt die Streichung etwa in flächige und dehnende Streichungen. Lehrbücher beschreiben die Ausführung außerdem Region für Region: am Rücken, an Bein und Arm, am Bauch, am Brustkorb sowie an Gesicht und Kopf. Die Streichung ist also kein einheitlicher Handgriff, sondern wird an die jeweilige Körperregion angepasst. Welche Form gewählt wird, folgt dem Gewebebefund, wie es § 18 Abs. 1 der Heilmittel-Richtlinie (zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025) für alle Grifftechniken vorsieht. Ein eigenes Heilmittel ist die Streichung nicht.

Einsatz im Behandlungsablauf

Nachschlagewerke und Fachbücher ordnen der Streichung drei Stellen in der Behandlung zu:

  • Einleitung: erster Kontakt mit dem behandelten Körperteil und Verteilen des Gleitmittels. In Fachbüchern beginnt die Arbeit an einer Körperregion mit allgemeinen Streichungen.
  • Verbindung: Übergang und kurze Pause zwischen intensiveren Griffen wie Knetung oder Reibung.
  • Abschluss: Ausklang der Behandlung an der jeweiligen Region.

Eine verbindliche Vorgabe zu Richtung, Druck oder Zahl der Streichungen gibt es nicht. Weder die MB-APrV noch die Heilmittel-Richtlinie noch die Leistungsbeschreibung regeln die Ausführung einzelner Griffe; sie folgt dem Unterricht, dem Fachbuch und dem Gewebebefund. Die Leistungsbeschreibung nennt als Therapieziele der klassischen Massagetherapie unter anderem die „lokale und reflektorische Verbesserung der Durchblutung und Entstauung“. Das sind Ziele der ganzen Maßnahme, nicht der Streichung allein. Dauer und Intensität passen Masseurinnen und Masseure an die Reaktionslage der behandelten Person an, wie es die Leistungsbeschreibung für alle Maßnahmen verlangt.

Streichung im AblaufStreichung im AblaufAm Anfang, dazwischen und am Ende1EinleitungKontakt, Gleitmittel verteilen2ArbeitsgriffeKnetung, Reibung, KlopfungStreichung als Verbindung3AbschlussStreichung zum AusklangKein eigenes HeilmittelTeil der KMT, Fach 14:300 StundenX0106:Richtwert 15–20 Minuten
Abb.: Stellen der Streichung (Effleurage) im Ablauf einer klassischen Massagetherapie mit Fach und Richtwert. Quelle: MB-APrV Anlage 1, Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V und Fachliteratur, Stand Oktober 2026.

Das Schaubild zeigt die Streichung im Ablauf einer klassischen Massage: zur Einleitung mit Kontakt und Verteilen des Gleitmittels, als Verbindung zwischen Knetung, Reibung und Klopfung und zum Abschluss. Sie ist kein eigenes Heilmittel, sondern Teil der klassischen Massagetherapie im Fach 14 der MB-APrV mit 300 Stunden und der Position X0106 mit einem Richtwert von 15 bis 20 Minuten.

Effleurage in der Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister

Im Lehrgang gehört die Streichung zum Fach 14 „Klassische Massagetherapie“ mit 300 Stunden, so Anlage 1 der MB-APrV (zuletzt geändert am 07.06.2023, Stand Oktober 2026). Für sie zählen vor allem zwei Unterpunkte: „Technik und Wirkung der Griffe“ (Nr. 14.2) und „Behandlungsdauer, -intervalle und -intensität“ (Nr. 14.7). Der Lehrplan des Landes Bayern von 2013, hier als Landesbeispiel, rechnet für das Fach mit 80 Stunden Theorie und 220 Stunden Fachpraxis und stellt „Grifftechniken, Dosierung, Aufbau“ an den Anfang. Dem Aufbau der Massage widmen auch Lehrbücher eigene Kapitel. Geprüft wird das Fach schriftlich und praktisch (§§ 5 und 7 MB-APrV).

Von der Streichung zu unterscheiden sind die Griffe der Manuellen Lymphdrainage. Die Heilmittel-Richtlinie beschreibt sie als „spezielle Massagetechnik“ mit „spezifischen Handgriffen“; im Lehrgang ist sie eine eigene Sonderform unter Nr. 16.1 und kein Unterfall der Streichung.

Im Berufsalltag

Die Streichung taucht auf keiner Verordnung und in keiner Abrechnung als eigener Posten auf. Sie ist Teil der klassischen Massagetherapie, die die Leistungsbeschreibung als Position X0106 führt, verordnet für einzelne oder mehrere Körperteile nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 HeilM-RL. Für die tägliche Arbeit heißt das: Wie viel Zeit einer Behandlung auf Streichungen entfällt, entscheiden Masseurinnen und Masseure nach Befund und Behandlungsplan. Den zeitlichen Rahmen setzt der Richtwert der Position, 15 bis 20 Minuten Regelbehandlungszeit.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Glossar Massage und Physikalische Therapie