Petrissage ist der Fachbegriff für die Knetung, einen der Grundgriffe der Klassischen Massagetherapie. Die Hände fassen das Gewebe, heben es an und kneten es mit Fingern und Handballen oder zwischen beiden Händen. Gemeint ist vor allem die Muskulatur. Für angehende Masseurinnen und Masseure ist die Petrissage Prüfungsstoff; im Kassenvertrag erscheint sie nur als Teil einer verordneten Massage, nicht als eigene Leistung.
Petrissage im Kassenvertrag
In der Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Lesefassung gültig ab 01.12.2024, Stand Oktober 2026) stehen die Knetungen an zweiter Stelle der Massagegrundgriffe, gleich nach den Streichungen. Abgerechnet wird die Knetung nie für sich, sondern als Teil der Klassischen Massagetherapie unter Position X0106. Die Heilmittel-Richtlinie (zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025) beschreibt die Klassische Massagetherapie in § 18 Abs. 2 Nr. 1 als „überwiegend muskuläre Massageform“. Zu dieser Beschreibung passt die Knetung: Sie fasst vor allem den Muskel und hebt ihn an, statt über die Haut zu gleiten.
Knetungen tauchen auch in Sonderformen auf. Für die Segmentmassage (X0108) nennt die Leistungsbeschreibung abgewandelte Griffe mit Knetungen, Friktionen und Vibrationen, die alle Gewebeschichten bis zum Periost erfassen. Fachliteratur zur Sportmassage, die Anlage 1 der MB-APrV unter Nr. 16.5 führt, beschreibt diese als oft kräftiger ausgeführte Form der klassischen Massage, zu deren Techniken auch die Petrissage gehört.
Das Schaubild zeigt die Gewebeschichten Haut, Unterhaut, Muskulatur und Knochenhaut übereinander. Hervorgehoben ist die Muskulatur: Die Heilmittel-Richtlinie beschreibt die Klassische Massagetherapie (Position X0106), zu der die Knetung gehört, als überwiegend muskuläre Massageform. Bis zur Knochenhaut reichen die Griffe der Segmentmassage (X0108), zu denen Knetungen gehören. Darunter der Hinweis: Eine eigene Abrechnungsposition hat die Knetung nicht, Lehrstoff ist sie in Fach 14 Nr. 14.2 der MB-APrV.
Griffformen der Knetung
Lehrbücher und Fachliteratur gliedern die Knetung nicht einheitlich. Diese Unterscheidungen lassen sich belegen:
- Einhändig oder zweihändig: Eine Hand arbeitet allein, oder beide Hände fassen den Muskel gemeinsam.
- Kneten und Walken: Das Lehrbuch „Technik der Massage“ (Storck, Thieme 2010) fasst beides zu einem der vier Handgriffe der klassischen Massage zusammen, neben Streichen, Reiben und Unterhautfaszientechniken.
- Englische Bezeichnungen: Fachliteratur nennt unter den Knetungen außerdem Formen mit englischen Namen wie wringing (Auswringen) und rolling.
Deutsche Lehrbücher teilen die Knetung zum Teil weiter auf; Namen und Zuschnitt dieser Unterformen unterscheiden sich von Buch zu Buch. Schon die Zahl der Grundgriffe schwankt: Die Leistungsbeschreibung zählt fünf, das Lehrbuch von Storck vier. Den Überblick über alle Griffe gibt der Eintrag Massagegriffe. Welche Einteilung im Unterricht gilt, legen die Lehrmaterialien der jeweiligen Schule fest.
Petrissage in der Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister
Namentlich nennt Anlage 1 der MB-APrV die Knetung nicht. Sie gehört zum Fach 14 Klassische Massagetherapie, das die Anlage mit 300 Stunden ansetzt, und dort zu Nr. 14.2 „Technik und Wirkung der Griffe“. Begegnen kann sie Auszubildenden außerdem im Fach 16 Sonderformen der Massagetherapie, etwa bei der Segmenttherapie (Nr. 16.3) und der Sportmassage (Nr. 16.5). Die Klassische Massagetherapie wird schriftlich in der Fächergruppe 2 (§ 5 Abs. 1 MB-APrV) und praktisch in der Fächergruppe 1 geprüft.
Im praktischen Teil nach § 7 Abs. 1 MB-APrV arbeiten Prüflinge fallbezogen am Patienten oder an Probanden und müssen ihr Handeln erläutern und begründen. Für die Knetung heißt das: an welchem Muskel, mit welcher Griffform und mit welcher Kraft geknetet wird und warum. Grundlage der Griffwahl ist nach § 18 Abs. 1 HeilM-RL der Gewebebefund; den Sicht- und Tastbefund führt Anlage 1 unter Nr. 14.4 als eigenen Lehrstoff.
Abgrenzung zu Streichung und Friktion
Die drei Griffe unterscheiden sich darin, was mit dem Gewebe geschieht. Eine Fachveröffentlichung zur Systematik von Massagetechniken beschreibt für die klassische schwedische Massage die Streichung (Effleurage) als Gleiten, die Petrissage als Kneten und Anheben und die Friktion als Verschieben der Gewebeschichten unter der Haut. Die Leistungsbeschreibung führt alle drei als eigene Grundgriffe; eine Behandlung kombiniert sie je nach Befund.
Nicht zu den Knetgriffen gehört die Querfriktion an Sehnen und Bändern. Sie ist eine Reibung quer zum Faserverlauf und steht als Tiefenfriktion unter den Sonderformen der Massagetherapie (Nr. 16.4).