Fango

Auch: Fangopackung, Naturfango

Fango ist ein feinkörniger Mineralschlamm aus der Gruppe der Peloide, der erhitzt als Packung Wärme an den Körper abgibt. Die Heilmittel-Richtlinie führt Fangopackungen unter der Wärmetherapie.

Fango ist ein Peloid, also ein feinkörniger Naturstoff, der mit Wasser zu einem formbaren Brei angerührt und als Wärmeträger genutzt wird. Der Begriff stammt aus der italienischen Bäderkunde und bedeutet Schlamm. In Deutschland dienen als Ausgangsmaterial vor allem die vulkanischen Gesteine Tuff und Phonolith, die erst kurz vor der Anwendung mit Wasser, auch Mineral- oder Heilwasser, auf Packungskonsistenz gebracht werden. So beschreiben es die Begriffsbestimmungen des Deutschen Heilbäderverbands und des Deutschen Tourismusverbands (14. Auflage, Fassung vom 26.03.2026).

Für Masseurinnen und Masseure ist Fango vor allem als Fangopackung von Bedeutung: eine Wärmeanwendung, die auf Rezept in der Regel ein vorrangiges Heilmittel wie die Klassische Massagetherapie ergänzt. Andere Naturstoffe dieser Gruppe wie Moor oder Schlick behandelt der Eintrag Peloide.

Fango in der Heilmittel-Richtlinie

Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025) ordnet Fango der Thermotherapie zu. § 24 Abs. 2 Nr. 5 nennt die „Wärmetherapie mittels Warmpackungen mit Peloiden (z. B. Fango), Paraffin oder Paraffin-Peloidgemischen zur Applikation intensiver Wärme“. Nr. 6 ergänzt Voll- und Teilbäder mit Peloiden oder Paraffin.

Für die Verordnung entscheidend ist § 24 Abs. 3: Wärme ist nur als therapeutisch erforderliche Ergänzung zu Massagetherapie, Krankengymnastik, Manueller Therapie, Übungsbehandlung oder Chirogymnastik verordnungsfähig, soweit der Heilmittelkatalog indikationsbezogen nichts anderes bestimmt. Der Katalog führt die Wärmetherapie deshalb meist als ergänzendes Heilmittel, etwa in der Diagnosegruppe WS (Wirbelsäulenerkrankungen). Eine Ausnahme ist die Diagnosegruppe SO5 (chronische Adnexitis, chronische Prostatitis): Dort steht die Wärmetherapie mittels Peloidbädern oder Warmpackungen unter den vorrangigen Heilmitteln, die Bindegewebsmassage unter den ergänzenden. Nach § 12 Abs. 8 umfasst eine Behandlung in der Regel ein vorrangiges Heilmittel und, falls verordnet, ein ergänzendes.

Fango in der Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister

Im Lehrgang gehört Fango zum Fach 19 „Hydro-, Balneo-, Thermo- und Inhalationstherapie“, für das Anlage 1 der MB-APrV 150 Stunden vorsieht. Einschlägig sind die Unterpunkte 19.5 (Wärmetherapie mit gestrahlter und geleiteter Wärme) und 19.6 (Wärmepackungen und Wärmekompressen); Indikationen, Kontraindikationen und Dosierung folgen in 19.8 und 19.9. Die Verbindung zur Massage benennt der Lehrplan an zwei Stellen: unter 14.5 für die klassische Massagetherapie und unter 19.12 für die Wärme- und Bäderverfahren, jeweils „in Verbindung mit anderen physikalisch-therapeutischen Verfahren“.

Fach 19 wird im praktischen Teil der staatlichen Prüfung in Fächergruppe 2 geprüft; die Prüfung soll dort für jedes Fach nicht länger als 20 Minuten dauern (§ 7 Abs. 1 MB-APrV). In der praktischen Ausbildung am Patienten steht der Bereich in Teil B unter Nr. 6.

Ablauf einer Fangopackung

Den Leistungsinhalt legt die Leistungsbeschreibung zum Physiotherapie-Vertrag nach § 125 SGB V (Lesefassung gültig ab 01.12.2024) unter der Position Warmpackung (X1501) fest:

  • Aufbereitung des Packungsmaterials in einer speziellen Aufbereitungsanlage
  • Auftragen oder Anmodellieren am Körper unter Beachtung des subjektiven Temperaturempfindens
  • Umhüllen mit Plastikfolie, Leintuch und Wolldecke
  • Überwachung der behandelten Person; bei Beengungsgefühl gegebenenfalls kühle Kompressen auf Stirn und linke Brust und leichtes Lösen der Packung im Brustbereich
  • Regelbehandlungszeit mit dem Richtwert 20 bis 30 Minuten
  • Nachruhe, für die die Leistungsbeschreibung allgemein einen Richtwert von 20 bis 25 Minuten nennt

Vor- und Nachbereitung zählen nach dem Allgemeinen Teil der Leistungsbeschreibung zur Behandlung; die Zeitangaben beziehen sich auf die Durchführung am Patienten.

Fangopackung im AblaufFangopackung im AblaufWarmpackung (X1501), Richtwerte lautGKV-LeistungsbeschreibungAufbereitenAuftragenUmhüllen20–30MinutenBehandlung20–25Minuten NachruheAuf Rezept meist ergänzendzu Massage, KG, MT, ÜB oderChirogymnastik (§ 24 Abs. 3 HeilM-RL);Ausnahme SO5:dort vorrangigHygieneFango nur für dieselbe Person,im namentlich gekennzeichneten Behälter
Abb.: Ablauf einer Fangopackung mit den Richtwerten für Behandlung und Nachruhe sowie der Verordnungs- und der Hygieneregel. Quelle: GKV-Spitzenverband, Leistungsbeschreibung Physiotherapie (X1501), Heilmittel-Richtlinie § 24 Abs. 3 und Heilmittelkatalog, Stand Oktober 2026.

Das Schaubild zeigt den Ablauf einer Fangopackung: Aufbereiten, Auftragen und Umhüllen, danach eine überwachte Behandlung mit dem Richtwert 20 bis 30 Minuten und eine Nachruhe mit dem Richtwert 20 bis 25 Minuten. Auf Rezept ergänzt die Packung meist Massage, Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Übungsbehandlung oder Chirogymnastik; nur in der Diagnosegruppe SO5 ist Wärmetherapie vorrangiges Heilmittel. Fango darf nur für dieselbe Person wiederverwendet werden.

Hygiene bei Mehrfachnutzung

Ob Packungsmaterial erneut verwendet werden darf, hängt nach der Leistungsbeschreibung vom Material ab:

MaterialWiederverwendung
Fango, Moor, Pelose, Schlicknur für dieselbe Person, aufbewahrt in geeigneten, namentlich gekennzeichneten Behältern
Paraffin, Paraffin-Peloid-Gemischmehrfach nach mindestens vierstündigem Erhitzen auf 130 °C, nach Herstellerangaben höchstens 40-mal

Für den Kurbetrieb sind die Begriffsbestimmungen strenger: Moorbäder und Moorpackungen dürfen nicht für verschiedene Personen verwendet werden, und eine Wiederverwendung anorganischer Peloide ist dort nicht zulässig. Die hygienischen Grundlagen vermittelt im Lehrgang das Fach 6 Hygiene mit 30 Stunden.

Abgrenzung

Fango zählt zu den anorganischen Peloiden, Moor als Torf zu den organischen. In Kurorten gehören Peloide zu den ortsgebundenen Heilmitteln, die das Glossar unter Kurmittel erklärt. Eine andere Form geleiteter Wärme ist die Heiße Rolle nach § 24 Abs. 2 Nr. 3 HeilM-RL, die mit heißem Wasser in gerollten Frotteetüchern arbeitet.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Glossar Massage und Physikalische Therapie