Ödem

Auch: Ödeme, Gewebewassersucht, Schwellung

Ein Ödem ist eine Schwellung durch vermehrte Flüssigkeit im Raum zwischen den Zellen. In der Masseurausbildung gehört es zur Allgemeinen Krankheitslehre; Lymphdrainage wird bei Lymphabflussstörungen der Diagnosegruppe LY nach ärztlicher Verordnung gegeben.

Ödem nennt die Medizin eine Ansammlung von Flüssigkeit im Raum zwischen den Zellen. Die Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Lymphödeme“ der AWMF (Registernummer 058-001; S2k, Stand Mai 2017, abgelaufen, in Überarbeitung; eine S3-Neufassung liegt 2026 als Konsultationsfassung vor) nennt Ödeme eine Erweiterung des Zwischenzellraums, meist durch vermehrte Gewebeflüssigkeit, und ein Symptom vieler Erkrankungen. Ein Ödem ist damit ein Befund, keine Diagnose; die Ursache klärt die Ärztin oder der Arzt. Für Auszubildende zum Masseur und medizinischen Bademeister ist es ein Thema der Allgemeinen Krankheitslehre und der Hintergrund der Lymphdrainage.

Wie ein Ödem entsteht: Zufluss und Abfluss

Gewebeflüssigkeit entsteht ständig neu: Durch die Wand der Blutkapillaren wird Flüssigkeit in den Zwischenzellraum filtriert. Wie viel, hängt vor allem vom Blutdruck in den Kapillaren ab, dem hydrostatischen Druck, und vom Gegenzug der Bluteiweiße, dem onkotischen Druck. Einen Teil nehmen die Blutgefäße wieder auf, den Rest müssen die Lymphgefäße abtransportieren. Die Leitlinie beschreibt dafür ein Gleichgewicht zwischen dieser Last und der Transportkapazität des Lymphsystems. Wie dieser Rest über Lymphknoten zurück ins Blut gelangt, beschreibt der Eintrag Lymphsystem.

Kippt das Gleichgewicht, entsteht ein Ödem. Nach der Leitlinie ist dann der Zufluss aus den Blutgefäßen ins Gewebe erhöht, der Abfluss gestört oder beides. Beim Lymphödem liegt die Störung im Lymphgefäßsystem selbst. Ödeme können örtlich begrenzt oder generalisiert, schmerzhaft oder schmerzlos sein; Mischformen mit dem Lymphödem kommen vor.

Diese Unterscheidung spiegelt die Verschlüsselung. Die ICD-10-GM 2026 des BfArM führt im Kapitel der Symptome unter R60 das „Ödem, anderenorts nicht klassifiziert“, getrennt nach umschriebenem (R60.0) und generalisiertem Ödem (R60.1). Lymphödeme haben eigene Schlüssel, etwa I89.0- oder für erbliche Formen Q82.0-.

Wann ein Ödem entstehtWann ein Ödem entstehtGleichgewicht der GewebeflüssigkeitZuflussFiltration ausden BlutkapillarenAbflussteils zurück insBlut, Rest überLymphgefäßeÖdem: das Gleichgewicht kipptZufluss erhöhtmehr Flüssigkeittritt ins GewebeAbfluss gestörtbeim Lymphödemim LymphsystemDiagnosegruppe LYStadien I bis III, MLD nur nachärztlicher Verordnung
Abb.: Zufluss und Abfluss der Gewebeflüssigkeit und die zwei Wege zum Ödem, die auch zusammen auftreten. Quelle: S2k-Leitlinie Lymphödeme (AWMF 058-001, Stand Mai 2017, abgelaufen, in Überarbeitung) und Heilmittelkatalog, Diagnosegruppe LY (G-BA), Stand Oktober 2026.

Das Schaubild zeigt das Gleichgewicht der Gewebeflüssigkeit. Zufluss: Flüssigkeit tritt aus den Blutkapillaren ins Gewebe. Abfluss: Ein Teil wird in die Blutgefäße zurückgenommen, der Rest über die Lymphgefäße abgeführt. Ein Ödem entsteht, wenn der Zufluss erhöht, der Abfluss gestört ist oder beides zutrifft; beim Lymphödem liegt die Störung im Lymphgefäßsystem. Für Lymphabflussstörungen gilt die Diagnosegruppe LY des Heilmittelkatalogs mit den Stadien I bis III; die Manuelle Lymphdrainage wird nach ärztlicher Verordnung gegeben.

Ödeme in der Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister

In der Stundentafel der MB-APrV (Anlage 1, Verordnung zuletzt geändert am 07.06.2023, Stand Oktober 2026) kommt das Wort nur einmal vor: Nr. 4.4 „Entzündungen und Ödeme“ im Fach Allgemeine Krankheitslehre. Das Fach hat 30 Stunden; gleich daneben stehen örtliche und allgemeine Kreislaufstörungen (Nr. 4.8). Ein eigenes Prüfungsfach ist die Allgemeine Krankheitslehre nicht. Das Wissen wird an anderer Stelle gebraucht:

  • in der Speziellen Krankheitslehre (360 Stunden), die einzelne Krankheitsbilder behandelt und schriftlich wie mündlich geprüft wird (§§ 5, 6);
  • im Unterpunkt Grundlage der manuellen Lymphdrainage/Komplexe physikalische Entstauungstherapie (Nr. 16.1) der Sonderformen der Massagetherapie (200 Stunden), praktisch in Fächergruppe 1 (§ 7);
  • beim Sicht- und Tastbefund vor der Massage (Nr. 14.4), bei dem eine Schwellung als Befund auffällt.

Ödem im Heilmittelkatalog: Diagnosegruppe LY

Maßgeblich für die Verordnung von Lymphdrainage ist die Diagnosegruppe LY, Lymphabflussstörungen, im Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie (zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025). Drei Stadien unterscheidet er nach der Beschaffenheit der Schwellung:

StadiumBeschreibung im Heilmittelkatalog
I„Ödem von weicher Konsistenz, Hochlagern reduziert Schwellung“
II„Ödem mit sekundären Gewebeveränderungen“; beim Hochlagern geht die Schwellung nicht zurück
III„deformierende harte Schwellung, z. T. lobuläre Form, z. T. mit typischen Hautveränderungen“

Die Leitlinie kennt zusätzlich ein Stadium 0: Die Transportkapazität ist schon eingeschränkt, ein Ödem aber klinisch noch nicht nachweisbar. Als Beispiele nennt der Katalog das primäre hereditäre Lymphödem, sekundäre Lymphödeme, etwa nach Operationen oder Bestrahlung, und das Phlebo-Lymphödem; auch das Lipödem der Stadien I bis III gehört zur Gruppe, auch ohne Lymphödem. Die Leitsymptomatik umfasst Schäden an Lymphgefäßen, Lymphknoten und Kapillaren, an der Haut sowie Schmerzen. Anlage 2 der Richtlinie führt Lymphödeme der Stadien II und III einzeln mit ICD-Code auf. Bei diesen Diagnosen ist in Verbindung mit LY nach § 8 Abs. 2 HeilM-RL von einem langfristigen Heilmittelbedarf im Sinne von § 32 Abs. 1a SGB V auszugehen; ein Antrags- und Genehmigungsverfahren findet nicht statt.

Lymphdrainage und Kompression nach Verordnung

Vorrangiges Heilmittel der Gruppe LY ist die Manuelle Lymphdrainage, jeweils auch in Verbindung mit Kompressionsbandagierung. Als ergänzende Heilmittel nennt der Katalog Wärmetherapie, insbesondere die heiße Rolle, Kältetherapie, Elektrotherapie und Übungsbehandlung. Welche Maßnahme gegeben wird, bestimmt die Verordnung, nicht der Eindruck im Behandlungsraum. Für die Abrechnung brauchen Masseurinnen und Masseure eine zusätzliche Weiterbildung. Zeitstufen und Zertifikat erklärt der Eintrag Manuelle Lymphdrainage, die zwei Phasen der Entstauung der Eintrag Komplexe Physikalische Entstauungstherapie.

Schwellungen begegnen Masseurinnen und Masseuren auch außerhalb der Gruppe LY. Die Richtlinie nennt die Entstauung unter den Zielen der Klassischen Massagetherapie (§ 18 Abs. 2 Nr. 1), und die Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Lesefassung gültig ab 01.12.2024) führt bei niederfrequenten Impulsströmen „nicht entzündliche akute/subakute Ödeme“ als Schädigung. Nicht bei jedem Ödem kommt eine Anwendung in Frage: Gegenanzeigen nennt die Leitlinie je Verfahren, und maßgeblich sind Verordnung und ärztliche Abklärung.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Glossar Massage und Physikalische Therapie