Anatomie

Auch: Lehre vom Körperbau, Funktionelle Anatomie, Anatomie (Prüfungsfach MMB)

Anatomie beschreibt den Aufbau des menschlichen Körpers. Im Lehrgang für Masseure und medizinische Bademeister ist sie mit 240 Stunden das drittgrößte Fach der Anlage 1 MB-APrV und eines von zwei mündlichen Prüfungsfächern.

Anatomie beschreibt den Aufbau des menschlichen Körpers: wie Knochen, Gelenke, Muskeln, Organe und Nervenbahnen gebaut sind, wo sie liegen und wie sie benannt werden. Für Masseurinnen und Masseure und medizinische Bademeister ist das Fach der Bezugsrahmen jeder Anwendung: Massagegriffe, Lymphabflussgebiete und auch das Modell der Reflexzonen beziehen sich auf Strukturen unter der Haut, deren Lage und Namen die Anatomie liefert.

Anatomie im Lehrgang: 240 Stunden in vier Blöcken

Die MB-APrV weist dem Fach in Anlage 1 Nr. 2 240 der 2.230 Unterrichtsstunden zu (Verordnung zuletzt geändert am 07.06.2023, Stand Oktober 2026). Mehr Stunden haben nur die Spezielle Krankheitslehre mit 360 und die Klassische Massagetherapie mit 300. Die Stundentafel gliedert das Fach in vier Blöcke; jeder liefert Grundlagen für spätere Fächer:

  • Allgemeine Anatomie (Nr. 2.1): anatomische Nomenklatur, Achsen und Ebenen, Zell- und Gewebelehre, Skelettsystem und Gelenklehre. Die Fachbegriffe kehren in der fachbezogenen Terminologie (Nr. 9.4) und in der Dokumentation (Nr. 9.1) wieder.
  • Funktionelle Anatomie des Bewegungssystems (Nr. 2.2): Schultergürtel und Arm, Becken und Bein, Wirbelsäule und Kopf sowie die Palpation der Bewegungsorgane. Bezug: Sicht- und Tastbefund der Klassischen Massagetherapie (Nr. 14.4).
  • Anatomie der inneren Organe (Nr. 2.3): Herz-Kreislauf-, Atmungs-, Blut- und Abwehrsystem, Verdauungs-, Urogenital- und endokrines System. Bezug: Grundlage der Manuellen Lymphdrainage (Nr. 16.1) und der Inhalationstherapie (Nr. 19.11).
  • Nervensystem und Sinnesorgane (Nr. 2.4): zentrales, peripheres und vegetatives Nervensystem, Sinnesorgane und Haut. Bezug: die Reflexzonentherapie, deren Lehrplan unter Nr. 15.2 die Entstehung von Reflexzonen in Haut, Bindegewebe und Muskulatur behandelt; die Reflexzonen sind dabei ein Erklärungsmodell.

Praktisch wird das Fach vor allem unter Nr. 2.2.2: Die Palpation der Bewegungsorgane übt das tastende Auffinden von Strukturen am Körper. Darauf baut der Sicht- und Tastbefund auf, den die Fächer Klassische Massagetherapie (Nr. 14.4) und Reflexzonentherapie (Nr. 15.3) enthalten.

Anatomie im MMB-LehrgangAnatomie im MMB-Lehrgang240 Stunden nach Anlage 1 Nr. 2 MB-APrVAllgemeinNomenklatur,Gewebe, SkelettBewegungFunktion undPalpationInnere OrganeKreislauf, Atmung,Blut und AbwehrNervensystemSinnesorganeund Haut30 Min.Soll-Höchstdauer je Prüfling und Fach;zweites Fach: Spezielle Krankheitslehre
Abb.: Gliederung des Fachs Anatomie in vier Themenblöcke und Prüfung im mündlichen Teil der staatlichen Prüfung. Quelle: Anlage 1 Nr. 2 und § 6 MB-APrV, Stand Oktober 2026.

Das Schaubild zeigt die vier Themenblöcke des Fachs Anatomie im Lehrgang für Masseure und medizinische Bademeister: allgemeine Anatomie mit Nomenklatur, Geweben und Skelett, funktionelle Anatomie des Bewegungssystems mit Palpation, innere Organe mit Kreislauf, Atmung und Abwehr sowie Nervensystem, Sinnesorgane und Haut. Das Fach umfasst 240 Stunden und wird mündlich geprüft, zusammen mit der Speziellen Krankheitslehre; je Prüfling und Fach soll die Prüfung nicht länger als 30 Minuten dauern.

Mündliche Prüfung in Anatomie

Anatomie ist neben der Speziellen Krankheitslehre eines der beiden Fächer der mündlichen Prüfung (§ 6 MB-APrV). Geprüft wird einzeln oder in Gruppen bis zu fünf Prüflingen; je Prüfling und Fach soll die Prüfung nicht länger als 30 Minuten dauern. Zwei Fachprüferinnen oder Fachprüfer nehmen das Fach ab; die Fachnote ist das arithmetische Mittel ihrer beiden Noten. Der mündliche Teil ist nur bestanden, wenn jedes Fach mindestens „ausreichend“ erreicht. Bei „mangelhaft“ oder „ungenügend“ kann der Prüfling das Fach einmal wiederholen (§ 10 Abs. 3 MB-APrV).

In den beiden schriftlichen Aufsichtsarbeiten nach § 5 MB-APrV ist Anatomie kein eigenes Fach. Dort stehen unter anderem Physiologie, Spezielle Krankheitslehre, Klassische Massagetherapie und Reflexzonentherapie.

Im Berufsalltag und in der Weiterbildung

Die Heilmittel-Richtlinie beschreibt die Massagetherapie als Grifftechniken, die an Haut, Unterhaut, Muskeln, Sehnen und Bindegewebe samt deren Nerven, Lymph- und Blutgefäßen ansetzen (§ 18 Abs. 1 HeilM-RL, zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025). Jede dieser Strukturen ist Stoff des Fachs. Nach der Leistungsbeschreibung zum Rahmenvertrag Physiotherapie (Lesefassung gültig ab 01.12.2024) muss zudem der Behandlungsplan, der bei Therapiebeginn aufgestellt wird, das Ergebnis der Befunderhebung berücksichtigen. Einen Tastbefund einem bestimmten Muskel, einer Sehne oder einem Gelenk zuzuordnen, setzt anatomisches Wissen voraus.

Weiterbildungen setzen das Fach voraus und vertiefen es. Für die Manuelle Lymphdrainage sieht Anlage 7 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V die Weiterbildung Komplexe physikalische Entstauungstherapie vor (Fassung vom 13.04.2026, in Kraft seit 01.06.2026, verbindlich ab 01.06.2027). Schon ihr Grundlagenteil verlangt Kenntnisse der Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des lymphatischen Systems. Auch auf dem Weg zur Weiterqualifizierung zum Physiotherapeuten kann das Fach wieder Prüfungsstoff werden: § 16 Abs. 2 PhysTh-APrV nennt Anatomie als mündliches Fach für Prüflinge, die die Berufsbezeichnung „Masseurin und medizinische Bademeisterin“ oder „Masseur und medizinischer Bademeister“ führen dürfen. Wer die staatliche Prüfung nach § 4 Abs. 2 MPhG bestanden hat, wird nach § 16 Abs. 1 mündlich nur in Physiologie geprüft.

Abgrenzung zur Physiologie

Neben der Anatomie steht im Lehrgang das Fach Physiologie mit 90 Stunden (Nr. 3). Es befasst sich mit den Vorgängen im Körper, etwa Kreislauf, Stoffwechsel, Atmung sowie Nerven- und Sinnessystem. Die beiden Fächer werden unterschiedlich geprüft: Anatomie mündlich, Physiologie schriftlich in der Fächergruppe 2. Allgemeine Krankheitslehre (30 Stunden) und Spezielle Krankheitslehre (360 Stunden) schließen an beide an.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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