Die Iontophorese verbindet konstanten Gleichstrom mit einem Arzneistoff, der elektrisch geladen ist. Der Wirkstoff wird unter die Elektrode mit derselben Ladung gebracht. Weil sich gleichnamige Ladungen abstoßen, soll das elektrische Feld die geladenen Teilchen von der Elektrode weg in die Haut befördern. Im Lehrgang der Masseurinnen und medizinischen Bademeisterinnen bzw. Masseure und medizinischen Bademeister ist die Iontophorese ein eigener Unterpunkt der Elektrotherapie. Ein Arzneistoff wird dabei nur nach ärztlicher Verordnung angewendet.
Prinzip: Galvanisation mit Arzneistoff
Galvanisation heißt die Behandlung mit konstantem Gleichstrom, der über Elektroden durch das Gewebe fließt. Die Anode ist der Pluspol, die Kathode der Minuspol. Für die Iontophorese ergibt sich daraus eine feste Zuordnung:
- Ein positiv geladener Arzneistoff liegt unter der Anode.
- Ein negativ geladener Arzneistoff liegt unter der Kathode.
- Der Strom fließt in technischer Stromrichtung von der Anode durch das Gewebe zur Kathode.
Das Prinzip setzt voraus, dass der Arzneistoff in geladener Form vorliegt. Bei jeder Gleichstromanwendung gilt die Aufmerksamkeit den Elektroden und der Haut darunter. Die Leistungsbeschreibung zählt bei der Elektrotherapie die individuelle Elektrodenanordnung nach Befund und Behandlungsplan, die Überwachung, die Reinigung und Desinfektion der Elektrodenschwämme und die unterstützende Pflege der behandelten Hautregion zur Leistung.
Das Schaubild zeigt ein Gleichstromgerät mit zwei Elektroden auf der Haut. Unter der Anode, dem Pluspol, liegt ein positiv geladener Wirkstoff, unter der Kathode, dem Minuspol, ein negativ geladener. Beide sollen von der Elektrode gleicher Ladung abgestoßen und in Richtung Haut bewegt werden; der Strom fließt im Gewebe von der Anode zur Kathode. Darunter der Hinweis: Ein Arzneistoff wird nur nach ärztlicher Verordnung angewendet, die Leitungswasser-Iontophorese arbeitet ohne Arzneistoff und wird nach Schulung selbst zu Hause angewendet.
Iontophorese im Lehrgang zum Masseur und medizinischen Bademeister
Anlage 1 der MB-APrV (zuletzt geändert am 07.06.2023) führt die Iontophorese im Fach 18 „Elektro-, Licht- und Strahlentherapie“ mit 150 Stunden als Unterpunkt 18.2.4. Sie steht dort neben den Stromformen (18.2.1), der Ultraschalltherapie, den hydroelektrischen Bädern wie dem Stangerbad und der Elektrodiagnostik. Für die Anwendung zählen drei weitere Unterpunkte: Indikationen und Kontraindikationen (18.5), Behandlungsdauer, -intervalle und -intensität (18.6) sowie Sicherheitsvorschriften für den Gebrauch elektromedizinischer Geräte (18.7).
Praktisch geübt wird die Elektrotherapie im fünften Bereich der praktischen Ausbildung (Teil B). Prüfungsfach ist die Elektro-, Licht- und Strahlentherapie nur im praktischen Teil (Fächergruppe 2, § 7 Abs. 1 MB-APrV). Welche Pflichten die Medizinprodukte-Betreiberverordnung für Elektrotherapiegeräte vorsieht, beschreibt der Eintrag Elektrotherapie.
Heilmittelrecht: galvanischer Strom, Arzneimittel nach Verordnung
Die Heilmittel-Richtlinie (zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025) kennt die Iontophorese nicht als eigene Maßnahme. § 21 Abs. 2 Nr. 1 erfasst die Elektrotherapie unter Verwendung konstanter galvanischer Ströme. Die Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Lesefassung gültig ab 01.12.2024, Stand Oktober 2026) ordnet die Behandlung mit galvanischen Strömen der Position X1302 zu, Richtwert 10 bis 20 Minuten. Ein Arzneistoff wird dort nicht genannt. Im Heilmittelkatalog ist die Elektrotherapie ein ergänzendes Heilmittel; allein verordnet werden darf sie, soweit der Katalog sie für die Diagnosegruppe als ergänzendes Heilmittel vorsieht (§ 12 Abs. 3).
Für das Arzneimittel gilt eine klare Grenze. Ein Arzneistoff wird nur nach ärztlicher Verordnung angewendet, und Therapeutinnen und Therapeuten sind an die Verordnung gebunden (§ 3 Abs. 1 HeilM-RL). Wer ohne ärztliche Bestallung Heilkunde ausüben will, braucht eine Erlaubnis nach § 1 Abs. 1 Heilpraktikergesetz (Stand Oktober 2026); mehr dazu unter Abgrenzung zum Heilpraktiker. Dieses Glossar nennt deshalb keine Wirkstoffe und keine Einsatzgebiete einzelner Präparate.
Abgrenzung: Leitungswasser-Iontophorese für zu Hause
Von der Iontophorese mit Arzneistoff ist die Leitungswasser-Iontophorese zu unterscheiden. Sie arbeitet ebenfalls mit Gleichstrom, aber ohne Arzneistoff: Der Strom wird über Wasserbäder geleitet, in denen Hände oder Füße liegen. Die S1-Leitlinie „Definition und Therapie der primären Hyperhidrose“ (AWMF-Register 013-059, Stand 19.02.2023, gültig bis 18.02.2028) beschreibt sie als galvanische Methode, die bei übermäßigem Schwitzen an Händen und Füßen eingesetzt wird. Sie erfordert laut Leitlinie ein geeignetes Medizingerät; nach einer Schulungsphase führen Patientinnen und Patienten die Anwendungen selbst zu Hause durch.
Mit dem Lehrgangsstoff unter 18.2.4 teilt die Leitungswasser-Iontophorese das physikalische Prinzip, nicht den Rahmen: Die Iontophorese mit Arzneistoff ist eine Anwendung durch Fachpersonal nach ärztlicher Verordnung, die Leitungswasser-Iontophorese eine Selbstanwendung zu Hause nach Schulung.